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	<title>Digitale Demokratie &#187; Piratenpartei</title>
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	<description>Die Politik der Informationsgesesellschaft</description>
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		<title>Eine andere Piratenpartei ist möglich</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 09:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
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Die Positionslosigkeit zur Tugend zu erheben, fällt der deutschen Piratenpartei gerade auf die Füße. Und gleich weiden sich VertreterInnen der politischen Konkurrenz daran, da sie nicht zu Unrecht befürchten, Stimmen an den Newcomer zu verlieren &#8211; Mark Seibert im Wahlkampfteam der Linken etwa oder Julia Seeliger, Grüne und neuerdings Redakteurin der Taz.
Deutlich wird &#8211; sowohl [...]]]></description>
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<p><img class="alignnone" src="http://ahoipolloi.blogger.de/static/antville/ahoipolloi/images/rindermainstreaming.jpg" alt="" width="400" height="440" /></p>
<p>Die Positionslosigkeit zur Tugend zu erheben, fällt der deutschen Piratenpartei gerade auf die Füße. Und gleich weiden sich VertreterInnen der politischen Konkurrenz daran, da sie nicht zu Unrecht befürchten, Stimmen an den Newcomer zu verlieren &#8211; <a href="http://www.mark.linkeblogs.de/2009/09/15/klarmachen-zum-kentern/" target="_blank">Mark Seibert</a> im Wahlkampfteam der Linken etwa oder <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-freiheit-die-wir-meinen/" target="_blank">Julia Seeliger</a>, Grüne und neuerdings Redakteurin der Taz.</p>
<p>Deutlich wird &#8211; sowohl beim Umgang der Partei mit dem <a href="http://www.fixmbr.de/wie-hart-steuerbord-segeln-die-piraten/" target="_blank">Thema Rechte/Nazis</a> als auch <a href="http://antjeschrupp.com/2009/09/03/kann-eine-feministin-piraten-wahlen/" target="_blank">Frauenanteil/Feminismus</a> &#8211; hier sind Neulinge der etablierten Politik am Werk, die sich in Diskursfallen locken lassen bzw. in sie hineintappen. Dabei gilt es zu unterscheiden. Einerseits gibt es die enthusiastischen Piratenanhänger: Weil unter jedem Beitrag über die Piraten 300 Kommentare stehen und sie in jeder Online-Umfrage 70 Prozent bekommen, sind sie überzeugt davon, bei der Wahl die Fünfprozenthürde zu knacken.</p>
<p><span id="more-477"></span></p>
<p>In diesem putzigen Überschwang wird ungenau und unkenntnisreich argumentiert, Worte nicht genau abgewägt usw. &#8211; von Politikprofis und GeisteswissenschaflterInnen werden solche Aussagen dann geübt und locker auseinandergenommen.</p>
<p>Andere Piraten dagegen beharren darauf &#8220;pragmatisch&#8221; zu sein, weder  links noch rechts. Damit wird die Mär von der &#8220;unidelogischen&#8221; Mitte wiedergekäut. Diese Piratenvertreter interpretieren dann Meinungsfreiheit so, dass man auch Nazis, die gegen die Meinungsfreiheit sind, zu Wort kommen lassen muss.</p>
<p>An <a href="http://digitale-demokratie.org/2009/die-wiedergeburt-des-burgerrechtsflugels-der-fdp-die-piratenpartei/" target="_blank">anderer Stelle</a> wurde hier im Blog schon einmal darauf eingegegangen: Die Piraten setzen sich mehrheitlich aus einer männlichen technokratischen Bildungselite zusammen, die einen gewissen Sozialdarwinismus pflegt. Dies muss insoweit <span style="text-decoration: line-through;">wiederrufen</span> drastischer formuliert werden, als das derzeit deutlich wird: In der Piratenpartei und unter ihren Anhängern befindet sich ein deutlicher Anteil chauvinistischer Träger rechten Gedankenguts. (UPDATE: Lesenswertes auf keimform: Vom <a href="http://www.keimform.de/2009/09/17/die-piratenpartei-auf-dem-weg-vom-schwarm-zum-mob/" target="_blank">Schwarm zum Mob</a>)</p>
<p>Wenn es jetzt nicht noch deutlich vor der Wahl kracht, ist abzusehen, dass nach dem 27. September, wenn der Einzug in den Bundestags verpasst wurde, die Piraten einiges an Selbstklärungsprozess vor sich haben: Die Mühen der Ebene werden daraus bestehen, Positionen zur Sozialpolitik, zu Emanzipation und Geschlechtergerechtigkeit, zu Migration, zu Krieg usw. zu entwickeln. Dabei wird den Piraten ein Teil der Mitglieder und Unterstützer abhanden kommen; oder es wird sogar eine Spaltung geben. Bei der nächsten Bundestagswahl, die schon 2011 stattfinden könnte, wird es dann eine (oder zwei) andere Piratenparteien geben.</p>
<p>(Illustration: <a href="http://ahoipolloi.blogger.de/" target="_blank">ahoi polloi</a>)</p>

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		<title>Die Wiedergeburt des Bürgerrechtsflügels der FDP: Die Piratenpartei</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 09:15:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[digitale Bürgerrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[soziale Frage]]></category>

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Schlag auf Schlag ging es gerade für die Piratenpartei. Nach dem Erfolg bei den Europawahlen fanden ihr Bundesparteitag und die Verabschiedung des Wahlprogramms ein beachtliches Medienecho. Unmittelbar danach machten Schlagzeilen  über ein Mitglied die Runde, das etwas verschwurbelt den Holocaust relativiert hatte (Übersicht über die Reaktionen bei zeitrafferin). Nun zeigte sich die Dynamik der Netzcommunity, [...]]]></description>
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<p><img class="size-full wp-image-379 alignright" title="digitalen" src="http://digitale-demokratie.org/wp-content/uploads/2009/07/digitalen.gif" alt="digitalen" width="292" height="260" />Schlag auf Schlag ging es gerade für die Piratenpartei. Nach dem Erfolg bei den Europawahlen fanden ihr Bundesparteitag und die Verabschiedung des Wahlprogramms ein beachtliches Medienecho. Unmittelbar danach machten Schlagzeilen  über ein Mitglied die Runde, das etwas verschwurbelt den Holocaust relativiert hatte (<a href="http://julia-seeliger.de/meinungsfreiheit-schwachfug/" target="_blank">Übersicht</a> über die Reaktionen bei zeitrafferin). Nun zeigte sich die Dynamik der Netzcommunity, die nicht zuletzt Twitter immer virtuoser zu nutzen versteht. Bei der Online-Petition und dem Widerstand gegen die Netzspeere hatte dieser Schwung der Piratenpartei noch mit zum Erfolg verholfen. Jetzt drehte sich der Wind.</p>
<p><span id="more-377"></span></p>
<p>In den klassischen Medien fand der „Skandal“ um das rechte Parteimitglied Niederschlag. Willkommen im Club, mag man der frisch gewählten Parteiführung der Piraten zurufen. So sieht eben eine Lektion des harten Geschäfts im professionellen Politikzirkus aus &#8211; Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, besagtes Mitglied hat <a href="https://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Bodo_Thiesen/Distanzierung" target="_blank">eine Erklärung</a> abgeben, aber die wird von Teilen seiner Partei als unzureichend angesehen &#8211; sie fordern von ihm in einem <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Offener_Brief_an_Bodo_Thiesen" target="_blank">offenen Brief</a>, seine Parteiämter niederzulegen oder gar auszutreten.</p>
<p>In der Blogosphäre war der Vorfall jedenfalls Anlass, über die Grenzen der Meinungsfreiheit zu diskutieren &#8211; aber auch um die Weiterentwicklung der Piratenpartei: Johnny Häusler etwa, Boss bei Spreeblick und Mitinitiator der Bloggerkonferenz „re:publica“, <a href="http://www.spreeblick.com/2009/07/07/meinungsfreibeuter/" target="_blank">plädierte dafür</a>, dass die Piratenpartei sich linksliberal positionieren sollte: „Ich halte es für richtig, sich gegen unnötigen Kontrollwahn zu wehren, gegen Überwachung, gegen die Installation von technischen Zensurmöglichkeiten, aber auch gegen Bildungs- und Sozialabbau, gegen wirtschaftliche Verantwortungslosigkeit, gegen staatliche Ungerechtigkeit.“</p>
<p>Dafür ist die Piratenpartei allerdings der falsche Adressat. Deren als „Zwischenstand“ bezeichnetes <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Datei:Bundestagswahlprogramm2009_js1.odt" target="_blank">Wahlprogramm</a> demonstriert: Zeuge wird man hier eher einer Abspaltung der FPD. Oder richtiger: der Wiedergeburt des Bürgerrechtsflügels der Liberalen. Der hatte die vergangenen Jahre eigentlich nur noch ein lebendes Denkmal namens Sabine Leuthaus-Schnarrenberger vorzuweisen; unter Guido Westerwelle hat sich in aller Schlichtheit der marktradikale Flügel durchgesetzt.</p>
<p>Jenseits netzpolitischer Themen wird sich die Piratenpartei kaum auf linke Positionen zur Sozial- oder Arbeitsmarktpolitik einigen können. Das Wahlprogramm der Piratenpartei spiegelt wider, was als Konsens möglich ist. Da ein Teil der Funktionäre offenbar im wissenschaftlichen Mittelbau an Hochschulen arbeitet, hat sich einzig das Thema „Bildung“ neben Netzthemen etablieren können. Insgesamt geht es aber immer um Thematiken, die sich um immaterielle Güter drehen. Hier wollen die Piraten die Verhältnisse modernisieren; auch das Wirtschaften. Die realen Besitz- und Machtverhältnisse, um die es in sozialen Fragen geht, werden nicht thematisiert. Insofern lässt sich Piratenpartei als ein outgesourceten Teil der FDP verstehen.</p>
<p>Als Besitzstandwahrer und Leistungsträger verstehten sich die Anhänger der FDP. Und betrachtet man das politische Personal der Piraten passt das Bild: Geht man nach der Kandidatenliste der Europawahl,  sieht man hier vor allem Vertreter der technokratischen Kaste: Naturwissenschaftler, Informatiker, Ingenieure. Solche Repräsentanten pflegen nicht selten einen gewissen Leistungsethos, der schnell in Sozialdarwinismus umkippen kann &#8211; Liberalität in netzpolitischen Fragen bringt nicht automatisch humanistische Ideale mit sich. Dass der Namensgeber der europäischen Piratenpartei-Bewegung, das Filesharing-Projekt &#8220;The Pirate Bay&#8221;, von einem schwedischen Rechtsradikalen finanziert wurde, ist dafür nur ein Fingerzeig.</p>
<p>Die Grüne Julia Seeliger <a href="http://julia-seeliger.de/warum-ich-nicht-zu-den-piraten-gehe/" target="_blank">erklärte in ihrem Blog zeitrafferin</a> „warum ich nicht zu den Piraten gehe“. Sie legt dar, warum der Vergleich &#8211; von wegen „Ein-Punkt-Partei“ &#8211; zwischen den Anfängen der Grünen und der Piratenpartei unpassend sei. Letztere sei eine „Protestpartei“ und: „Man sollte aber nicht vergessen, dass die Grünen aus ganz unterschiedlichen Bewegungen &#8211; in der ausgehenden 68er-Zeit &#8211; hervorgegangen sind. Ein paar Beispiele: Frauenbewegung, Friedensbewegung, Ökologiebewegung, Schwulenbewegung, Antiautoritäre, Spontis, Kommunisten. Es gab sogar Reaktionäre bei den Grünen, wie zB Herbert Gruhl, der einen tendenziell menschenfeindlichen Ökologismus pflegte und später zu den rechtskonservativen “Unabhängigen Ökologen Deutschlands” wechselte &#8211; das ist zum Glück lange vorbei.“</p>
<p>Die Piratenpartei in Deutschland, sollte sie mehr als ein Protestpartei werden, wird sich also als dritte liberale Kraft irgendwo zwischen Grünen und FDP positionieren. Ob sie die Funktionäre und Aktivisten der Partei den langen Atem dafür behalten, ist offen. Die Fünf-Prozent Hürde bei der kommenden Bundestagswahl würden etwa 2,3 Millionen Stimmen bedeuten &#8211; das wäre das Zehnfache der erreichten Wählerstimmen bei der Europawahl. Geht man davon aus, dass die Piraten schon ein Großteil ihres Klientels aktiviert haben, sollte sich als realistisches Ziel die 0,5 Prozent Hürde setzen -  damit wird die <a href="https://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009#Parteifinanzierung_in_.E2.82.AC.2Ferhaltene_Wahlstimme_.3F" target="_blank">Wahlkampfkostenrückerstattung </a>erreicht. Die würde einige hunderttausend Euro in die Kassen spülen und für die kommenden Jahre ermöglichen, Stellen für paar hauptamtliche Funktionäre zu finanzieren.</p>
<p>Was auch passiert, die Piratenpartei zeigt jedenfalls, wie eine Partei neuen Typs im Netzzeitalter aussehen könnte: Sie organisiert sich transparent<a href="https://wiki.piratenpartei.de/" target="_blank"> über eine Webplattform</a> und gibt so einen Ausblick, wie Demokratie im Netz organisiert werden kann.</p>

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