Im taz-Interview vom 19.09.08, Klassischer Datenschutz ist überholt, fordert “Trendforscher” Sven Gábor Jánszky neue Prämissen für den Datenschutz. Heutige Internetnutzung mit Online-Shopping und sozialen Netzwerken bestehe eben auch aus einem bewussten Umgang der UserInnen mit ihren Daten, die sie ganz freiwillig an vielen Stellen hinterlassen würden. Die entstehenden Datensammlungen bei den verschiedenen Unternehmen wären folglich ganz im Sinne der KundInnen, da diese so zielgerichtete Werbung sowie Rabatte erhielten. Jánszky sieht darin eine Form von Souveränität besonders der jungen Generationen.
Tatsächlich ist Jánszky in Bezug auf das Ende des klassischen Datenschutz insoweit recht zu geben, als dass diesem immer mehr die politische Basis fehlt. (Siehe dazu auch Vom Ende des Datenschutzes, Teil 2). Allerdings ist diese Argumentation eingedenk der Interessenlage dieses “Trendforschers” erwartbar bis zynisch: Schließlich leitet Jánszky eine Firma (forward2business), die Beratung und Lobbying für Unternehmen durchführt, welche u.a. mit den Daten von KonsumentInnen ihre Geschäfte betreiben.
Jánszky weiter:
Datenschutzrecht hat also seine Berechtigung – nur auf niedrigerem Niveau?
Ja. Wobei: Die wünschenswerte Rolle der Politik sehe ich eigentlich in einem wichtigen anderen Feld. Die Wirtschaft strebt teilweise ein System an, Daten der Bürger zu analysieren, ihnen aber gleichzeitig die Handhabe zu geben, diese Daten zu kontrollieren. Solche Ideen sollte die Politik unterstützen, anstatt alle Firmen, die mit Daten arbeiten, pauschal zu verdammen.
Aus Sicht dessen, was aktuell an politischen Konzepten in Bezug auf das Beschaffen, Sammeln, Auswerten und Weitergeben von Daten in wirtschaftlichen wie auch in staatlichen Bereichen geplant oder bereits realisiert wird, wäre diese Idee – wenn sie konsequent umgesetzt würde – vermutlich eine der fortschrittlichsten Datenschutzkonzeptionen, die derzeit vorstellbar sind: Dann wären sämtliche Transaktionen, die mit den Daten einer NutzerIn durchgeführt werden sollen, vorab von dieser zu authentifizieren. Kaum vorstellbar, dass Firmen wie arvato oder Google dagegen nicht Sturm laufen würden.

