Google ist in gewisser Weise eine Staatsform für die man sich bewußt entscheiden kann, die die meisten jedenfalls in Anspruch nehmen: Wer nutzt nicht diese Suchmaschine oder Google Maps? Hohle ich mir noch ein Google Account, beantrage ich die Staatsbürgerschaft, ich schreibe mich quasi als aktiver Google-Bürger ein; ich gehe einen Vertrag ein – die Nutzungsbedingungen, die kaum einer liest.
Kritik an Google ist jedenfalls beliebt, verfehlt aber meist das Ziel. So die These von Mathias Mertens im aktuellen Freitag: Internet pur:
“Google hat, anders als Microsoft und anders auch als die explodierten Unternehmen der New Economy, das Internet nie als einen Raum verstanden, in den man einfällt, den man erobert, in dem man sich positioniert und in dem man Waren-, Geld- und Informationsfluss organisiert – kurz: in dem man Krieg führen muss. Stattdessen sah Google das Internet von Anfang an als ein Codierungssystem, mit dem die Welt auf einer abstrakten Ebene indiziert werden kann, um sie immer berechenbarer zu machen. Die Kritik an Google ist richtig, aber sie immernoch mit der falschen Vorstellung verbunden, das Internet sei ein Privatraum wie ein Buch, in das man schaut.”
Als Steuern an Google zahle ich Informationen, die ich über mich Preis gebe. Dafür stellt Google mir die staatliche Infrakstruktur vergleichbar mit Krankenhäusern, Autobahnen und Schulen zur Verfügung, die mir ermöglicht den Internetraum zu erschließen und zu nutzen.
Ich kann auch andere Staatsformen nutzen: Etwa versuchen, mich nur nicht-kommerzielle Dienste im Sinne des Open-Source Gedanken zu bedienen, z.b. OpenStreetMaps. Damit verzichte ich auf diversen Komfort. Und Google ist mir deswegen auch nicht böse – das ist vielleicht der Faktor, warum Kritik an Google oft abprallt: Niemand zwingt einen dazu, Googles Dienste in Anspruch zu nehmen. Und Googles Motto “Tu nichts böses” fällt dem Konzern auch nicht schwer, weil die moralischen Kategorien “gut” und “böse” auf Technologie schwer anwendbar ist – erst die Nutzung der Technologie kann ich damit bewertet – und deren Ausrichtung und Inhalt bestimmt eben der Nutzer und nicht der Dienstleister.
In dem Zusammenhang sei noch auf die Gewerkschaft ver.di verwiesen, die Anfang des Monats eine Konferenz unter dem sperrigen Titel “Staatliche Verantwortung und Öffentliche Daseinsvorsorge in der Informationsgesellschaft” veranstaltete. Dort wurde ein Berliner Manifest: Öffentliche Dienste 2.0 verabschiedet, in dem sich gegen eine Privatisierung öffentlicher Informationen und Dienstleistungen gewandt wird.

